Firewalls verstehen#

Eine Firewall kontrolliert Netzwerkverkehr anhand von Regeln. Sie entscheidet, welche Verbindungen erlaubt sind und welche sie sperrt. Im Heimnetz kann das bedeuten: Der Laptop darf ins Internet, der Fernseher darf den DNS-Server fragen, ein Gast darf aber nicht auf die Verwaltung des Routers zugreifen.

Die Firewall kann auf einem Router wie der Dream Machine laufen oder direkt auf einem Rechner. Auf dem Router kontrolliert sie den Verkehr, der durch ihn hindurch oder an ihn selbst geht. Auf dem Rechner schuetzt sie dessen eigene Netzwerkzugriffe. Diese beiden Einsatzorte beschreibt auch NIST in den Grundlagen zu Firewalls.

Was eine Regel prueft#

Geraete verschicken Daten in Paketen. Zu deren Angaben gehoeren Absender und Empfaenger. Bei TCP und UDP kommen Portnummern dazu: Sie helfen dabei, den Verkehr einem Dienst auf dem Zielgeraet zuzuordnen. DNS verwendet zum Beispiel Port 53, HTTPS normalerweise Port 443.

Eine einfache Firewall-Regel beschreibt, welcher Verkehr gemeint ist und was damit passiert:

MerkmalBeispiel aus dem Homelab
QuelleGaestenetz 10.10.40.0/24
ZielDNS-Server 10.10.10.3
ProtokollTCP oder UDP
Zielport53 fuer DNS
Aktionerlauben

Damit duerfen Gaeste Namen beim DNS-Server aufloesen. Die Freigabe gilt nur fuer diesen Dienst. Seine Weboberflaeche auf einem anderen Port bleibt von dieser Regel unberuehrt und kann durch eine nachfolgende Sperre geschuetzt werden.

Wie eine Entscheidung entsteht#

Bei einem geordneten Regelwerk wie dem hier verwendeten prueft die Firewall die Regeln von oben nach unten. Die erste passende Regel entscheidet. Eine Ausnahme muss deshalb vor der allgemeinen Sperre stehen.

Fuer neue Anfragen aus dem Gaestenetz koennte der relevante Ausschnitt so aussehen:

ReihenfolgeVerkehrEntscheidung
1zum DNS-Server auf Port 53, TCP oder UDPerlauben
2zu den uebrigen internen Zielen und Dienstensperren

Eine DNS-Anfrage passt zur ersten Regel und darf passieren. Ein Zugriff auf die Server-Verwaltung passt erst zur zweiten Regel und wird blockiert. Stuende die pauschale Sperre zuerst, wuerde sie auch DNS treffen. Fuer Internetzugang und Dienste des Routers gibt es eigene Regeln; die Tabelle zeigt nur diesen Ausschnitt.

Allow laesst passenden Verkehr durch. Drop verwirft ihn ohne Antwort, Reject lehnt ihn mit einer Rueckmeldung ab. Ein Timeout allein beweist deshalb keine funktionierende Sperre: Das Ziel koennte auch ausgeschaltet sein.

Warum Antworten zurueckkommen duerfen#

Eine zustandsbehaftete Firewall, auch stateful firewall genannt, merkt sich laufende Kommunikation. So kann sie eine Antwort einer vorher erlaubten Anfrage zuordnen. Die passende Zustandsregel laesst diese Antwort zurueck, ohne neue Verbindungen in Gegenrichtung generell freizugeben. Bei UDP erfolgt die Zuordnung trotz fehlendem Verbindungsaufbau anhand der Adressen, Ports und eines Zeitfensters. Die Netfilter-Dokumentation zu Connection Tracking erklaert die dabei verwendeten Zustaende.

Im Beispiel fragt ein Gast nach der Adresse einer Website. Der DNS-Server darf darauf antworten. Daraus folgt keine Erlaubnis fuer den Server, seinerseits beliebige neue Verbindungen zum Gast aufzubauen.

In Regeln heisst solcher Antwortverkehr oft established. Related bezeichnet Verkehr, der einer bestehenden Verbindung zugeordnet werden kann, etwa bestimmte Fehlermeldungen. Diese Freigaben sind Teil des Regelwerks.

Wo VLANs und Zonen ins Spiel kommen#

Ein VLAN trennt ein lokales Netz auf der Ethernet-Ebene. Damit Geraete in unterschiedlichen VLANs miteinander reden koennen, brauchen sie einen Router. Im Homelab ist das die UDM. Dort entscheidet die Firewall, welcher Verkehr zwischen den Netzen erlaubt ist.

Geraete im selben VLAN und Subnetz kommunizieren normalerweise direkt ueber den Switch oder Access Point. Dieser Verkehr durchlaeuft die Router-Firewall nicht. Fuer eine Trennung auch innerhalb dieses Netzes braucht es weitere Massnahmen, etwa Client-Isolation oder die Firewall auf dem Endgeraet.

Eine Zone fasst Netze fuer gemeinsame Firewall-Regeln zusammen. IoT kann zum Beispiel das Netz der Fernseher enthalten, Internal mehrere Netze mit Servern und Infrastruktur. Der Zonenname allein bewirkt keine Sperre; entscheidend sind die Regeln. UniFi unterscheidet ausserdem zwischen Verkehr durch den Router und Verkehr zum Router selbst in der Zone Gateway. Dort laufen beispielsweise DHCP und die Verwaltungsoberflaeche. Das beschreibt Ubiquiti in der Erklaerung der Firewall-Zonen.

Was eine Firewall nicht automatisch erkennt#

Eine erlaubte Verbindung ist nicht automatisch harmlos. Darf ein Geraet per HTTPS ins Internet, kann darueber auch unerwuenschter Verkehr laufen. Ein einfacher Paketfilter beurteilt Adressen, Ports und Zustaende; den verschluesselten Inhalt einer HTTPS-Verbindung kann er ohne zusaetzliche Entschluesselung nicht lesen.

Angriffserkennung und -abwehr, haeufig IDS und IPS genannt, ergaenzen das mit einer Untersuchung auf verdaechtige Muster. Auch damit bleiben Updates und sichere Zugaenge noetig. Ein DNS-Filter wie Pi-hole hat wieder eine andere Aufgabe: Er filtert Namensanfragen. Eine bereits bekannte IP-Adresse oder ein anderer Resolver koennen diesen Filter umgehen, wenn die Firewall den Verkehr erlaubt.

Auch NAT ist eine andere Funktion: Es uebersetzt Netzwerkadressen. Ob eine Verbindung zulaessig ist, legt das Firewall-Regelwerk fest. IPv4 und IPv6 muessen dabei beide bedacht werden, sobald beide im Netz genutzt werden.

Woran man wirksame Regeln erkennt#

Zu jeder Freigabe gehoert ein Test, ob der benoetigte Dienst erreichbar ist. Zu jeder Sperre gehoert ein Test aus dem betroffenen Netz, ob der verbotene Zugriff scheitert. Dafuer eignet sich ein bekannter, laufender Dienst besser als ein beliebiges Ping-Ziel: Ping prueft ICMP, nicht den Zugriff auf eine Weboberflaeche oder einen SSH-Port.

Trefferzaehler und Logs helfen dabei, den Test einer Regel zuzuordnen. Im Gaestenetz muss beispielsweise DNS funktionieren, waehrend die Server-Verwaltung unerreichbar bleibt.

Die konkreten Regeln und Ausnahmen stehen unter Firewall zwischen Segmenten. Welche davon im Homelab umgesetzt wurden, beschreibt der Beitrag zur Firewall-Umstellung.