VLANs verstehen#

Ein Switch leitet Frames anhand von MAC-Adressen weiter und kennt keine Netze. Alles, was an ihm haengt, liegt in derselben Broadcast-Domain: Ein ARP-Request erreicht jeden Port, jedes Geraet sieht jedes andere. Genau das soll die Segmentierung beenden — und ein VLAN ist das Mittel, mit dem ein einzelner Switch so tut, als waere er mehrere.

Das Tag#

Die Grundlage ist IEEE 802.1Q: vier zusaetzliche Bytes im Ethernet-Frame, direkt hinter der Absender-MAC. Darin stehen unter anderem zwoelf Bit VLAN-ID, also 4094 nutzbare Nummern — 0 und 4095 sind reserviert.

Mehr passiert nicht. Ein VLAN ist kein Tunnel und keine Verschluesselung, sondern eine Zahl im Frame, an die sich alle beteiligten Geraete halten. Wer den Switch umgeht und direkt an der Leitung mitliest, sieht den Verkehr unveraendert. Die Trennung ist eine organisatorische, die der Switch durchsetzt — keine kryptografische.

Untagged und tagged#

Der Unterschied, an dem sich in der Praxis alles entscheidet:

Port-TypWas ueber die Leitung gehtWofuer
untagged (Access)Frames ohne Tag. Der Switch fuegt es beim Eintritt hinzu und entfernt es beim AustrittEndgeraete: Laptop, Drucker, Fernseher, dns01
tagged (Trunk)Frames mit Tag, mehrere VLANs parallel ueber eine LeitungVerbindungen zwischen Switches, Access Points, Hypervisor

Ein Endgeraet an einem untagged Port merkt von VLANs nichts. Es bekommt eine Adresse per DHCP, sieht ein Gateway und haelt sich fuer das einzige Netz der Welt. Deshalb musste an dns01 beim Umbau auch nichts VLAN-spezifisches konfiguriert werden — nur Maske und Gateway.

Tagging braucht erst, wer mehrere Segmente ueber eine Leitung fuehren muss. Bei einem Access Point, der vier SSIDs in vier VLANs bedient, ist das zwingend: Es gibt nur ein Kabel.

Native VLAN und PVID#

Auf einem Trunk kann trotzdem ungetaggter Verkehr ankommen. Was damit geschieht, regelt das Native VLAN — bei UniFi heisst das Feld Native VLAN / Network, in anderen Oberflaechen PVID (Port VLAN ID). Alles, was ohne Tag hereinkommt, wird dieser VLAN-ID zugeordnet.

Das ist der Grund, warum ein Port gleichzeitig untagged und tagged sein kann, und genau die Konstruktion, die ein Hypervisor braucht:

Native VLAN:  Server (10)      -> Management des Hosts, ungetaggt
Tagged VLANs: Clients (20)     -> VMs im Client-Segment
              IoT (30)         -> VMs im IoT-Segment

Der Host selbst redet ungetaggt und landet im Server-VLAN. Seine VMs bekommen im Hypervisor ein Tag mitgegeben und landen dort, wo dieses Tag hinzeigt. Ein Kabel, drei Segmente.

Das Native VLAN ist die haeufigste Fehlerquelle beim ersten Trunk. Stimmt es nicht mit dem ueberein, was das Geraet am anderen Ende erwartet, funktioniert der getaggte Verkehr tadellos und der ungetaggte verschwindet — was sich anfuehlt wie ein halb kaputtes Kabel.

VLAN ist nicht Subnetz#

Beides wird im Alltag gleichgesetzt, und im Layout hier entspricht tatsaechlich jedes VLAN genau einem /24. Technisch sind es aber zwei verschiedene Schichten:

  • Das VLAN ist Layer 2. Es entscheidet, wer wen ueberhaupt direkt sehen kann.
  • Das Subnetz ist Layer 3. Es entscheidet, wann ein Geraet ueber das Gateway geht statt direkt zu senden.

Man kann zwei Subnetze in ein VLAN legen oder ein Subnetz ueber mehrere VLANs spannen. Beides erzeugt vor allem Verwirrung. Die Eins-zu-eins-Zuordnung ist die einzige, die man ein Jahr spaeter noch versteht.

Wichtiger ist die Konsequenz daraus: Ein VLAN allein trennt nichts, was die Firewall nicht trennt. Sobald die Segmente geroutet werden — und das tun sie, sonst kaeme niemand ins Internet — liegt die eigentliche Grenze in den Regeln auf dem Gateway. Das VLAN sorgt nur dafuer, dass der Verkehr ueberhaupt am Gateway vorbeikommt und dort bewertet werden kann. Ohne den Umweg ueber das Gateway greift keine Regel, weil kein Paket sie je zu sehen bekommt.

Warum die Maske dazugehoert#

Der Punkt, an dem der Umbau hier fast gescheitert waere. Solange alle Geraete 10.10.0.0/16 konfiguriert haben, halten sie einander fuer Nachbarn im selben Netz. Ein Geraet mit 10.10.20.5/16 sendet an 10.10.30.7 direkt per ARP, statt das Gateway zu fragen.

Steckt zwischen beiden ein VLAN, kommt der ARP-Request nicht an, und die Verbindung scheitert — aber sie scheitert als Timeout, nicht als saubere Ablehnung. Wird das VLAN hingegen nicht sauber getrennt, klappt die Verbindung an jeder Firewall-Regel vorbei.

Beide Faelle sind unangenehm. Deshalb gehoeren VLAN-Schnitt und Maskenwechsel zusammen: Erst mit /24 fragt ein Geraet fuer alles ausserhalb seines Segments das Gateway — und erst dann gibt es eine Stelle, an der Regeln greifen.

Sicherheitsgrenzen#

Zwei Angriffe sind es wert, sie zu kennen, auch wenn beide im Heimnetz selten sind:

Switch Spoofing. Ein Geraet gibt sich als Switch aus und handelt einen Trunk aus, um alle VLANs zu sehen. Betrifft Hersteller mit automatischer Trunk-Aushandlung; UniFi handelt Trunks nicht automatisch aus, jeder Port bekommt sein Profil explizit zugewiesen.

Double Tagging. Ein Frame bekommt zwei Tags mit; der erste Switch entfernt das aeussere, der zweite leitet nach dem inneren weiter. Funktioniert nur, wenn das Native VLAN eines Trunks mit dem VLAN des Angreifers uebereinstimmt. Wer das Native VLAN eines Trunks auf ein VLAN legt, in dem keine Endgeraete haengen, nimmt dem Angriff die Grundlage.

Fuer ein Heimnetz ist die praktisch relevantere Aussage die einfachere: Ein VLAN schuetzt gegen ein Geraet, das sich falsch verhaelt, nicht gegen jemanden mit physischem Zugang zum Switch.

Wo es hier steht#

Das konkrete Layout mit sechs Segmenten steht unter Netz-Layout mit VLANs, der Ablauf des Umbaus samt der Reihenfolge, in der es funktioniert, unter VLANs auf der UDM einrichten.